Strahlen im Kalten Krieg

Sibylle Marti, Historikerin:

Die Strahlung radioaktiver Stoffe entzieht sich der sinnlichen Wahrnehmung – man kann sie weder sehen, noch fühlen, noch riechen. Strahlen sind furchterregend und faszinierend zugleich: Als Wirkung von Atomwaffen bringen sie Tod und Zerstörung, als Instrumente in der klinischen Therapie und Diagnostik versprechen sie medizinischen Fortschritt und als Emissionen von Reaktoren spalten sie ganze Gesellschaften. Das historische Forschungsprojekt untersucht, wie in der Schweiz während des Kalten Krieges vielfältige Überwachungs-, Regulierungs- und Schutzmassnahmen implementiert wurden, um die Bevölkerung vor den unsichtbaren gesundheitsschädigenden Effekten von Strahlen zu schützen. Im Zentrum steht somit der Umgang mit Strahlengefahren sowohl für den nuklearen Alltag als auch hinsichtlich einer möglichen atomaren Katastrophe.

Fotografiert von Zoe Tempest:

Der Mensch ist stets konfrontiert, seine erforschten Technologien nach konstruktiven sowie destruktiven Aspekten zu überprüfen. Ein konzentrierter und oszillierender Akt der Balance weist auf die Ambivalenz in seinem Umgang damit. Je nach Betrachtungsweise entzieht sich die eine Wahrheit unserer Wahrnehmung und zeigt eine neue auf.