Licht, Schlafqualität und Stress

Dr. Elvira Abbruzzese, Psychologin:

Stress geht mit einer schlechten Schlafqualität einher. Ungeklärt ist aber, ob Menschen, die schlecht schlafen, anfälliger auf Stress reagieren oder umgekehrt Stress zu schlechtem Schlaf führt. Die Schlafqualität ist im zirkadianen Rhythmus (Tag-Nacht-Rhythmus) eingebettet, der von einer «inneren Uhr» gesteuert wird. Als Hauptzeitgeber gilt Licht, das von unserer Netzhaut als Signal an das Gehirn weitergegeben wird. Von dort erhalten alle Zellen unseres Organismus die Information über die Tageszeit. Dabei spielt das Hormon Cortisol eine grosse Rolle. Dessen Ausschüttung variiert über den Tag hinweg stark. Am Morgen steigt die Ausschüttung steil an, danach nimmt sie konstant ab. Ein kurzzeitiger Anstieg von Cortisol wird auch nach Stress beobachtet. Es ist daher auch als «Stresshormon» bekannt. Ich untersuche nun, ob helles Licht am Morgen den zirkadianen Rhythmus bei Studierenden stärkt, die über hohen Stress und schlechte Schlafqualität klagen. Ziel der Untersuchung ist mit einem robusteren zirkadianen Rhythmus die Widerstandsfähigkeit gegen Stress zu steigern.

Kooperationspartner:

Prof. Dr. U. Ehlert, Dr. S. Ackermann, N. Lozza

Fotografiert von Bianca Dugaro:

In einem Selbstversuch habe ich mich während drei Tagen jeden Morgen 20 Minuten vor eine Lampe mit blauwelligem Licht gesetzt. Im Tagesverlauf habe ich jede Stunde eine Speichelprobe in Watte konserviert, die darauf im Forschungslabor untersucht wurden. Diese erfassten Amylasewerte zeigen, wann ich Nahrung zu mir genommen habe oder Stress hatte. Der mit Schere und Plastikfolie visualisierte Datensatz, präsentiert sich als Berglandschaft und zeigt nun meine ganz persönliche Amylaselandschaft. Ein mögliches Bergrelief, das es vielleicht irgendwo im Universum genau so gibt.